Bauwirtschaft 2013, Rückläufiger Trend erkennbar

 

von
Andreas Felix
Architekt FH
Geschäftsführer
Graubündnerischer Baumeisterverband
Das “Baujahr 2013“ darf aus Sicht der Bündner Bauwirtschaft als ansprechend gutes Jahr bezeichnet werden. Die Anzeichen eines sich einstellenden Rückgangs der Nachfrage im Zweitwohnungsbereich sind allerdings unübersehbar. Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe lag per 30. Juni 2013 deutlich unter dem Vorjahreswert. Die Auftragseingänge, das Bauvolumen und die Arbeitsvorräte bewegten sich nahe an den Vorjahreswerten. Die deutliche Abnahme des bauzeitversicherten Volumens auf der Basis der erteilten Baubewilligungen, weist ohne Zweifel auf den bevorstehenden Rückgang im Hochbau, insbesondere im Wohnungsbau, hin. Die Investitionen der öffentlichen Hand im Bereich des Unterhaltes und des Ausbaus der Infrastrukturen haben für die Bauwirtschaft eine ungebrochen hohe Bedeutung.
Beschäftigte
Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe nahm per 30. Juni 2013 gegenüber dem Vorjahr deutlich um -6.0% ab. Der Rückgang betrifft insbesondere die Schweizer und die daueraufenthaltsberechtigten Ausländer. Die Unternehmungen reagierten mit dem Abbau von Jahresbeschäftigten offensichtlich auf den sich abzeichnenden Rückgang der Baunachfrage im Zweitwohnungsbau und kompensieren allfällige, vorübergehende Nachfragespitzen vermehrt mit Kurzaufenthaltern oder temporären Arbeitskräften.

Im Bauhauptgewerbe des Kantons Graubünden waren per Ende Juni 2013 insgesamt noch 4‘735 Personen beschäftigt, nämlich 1‘531 Schweizer (-9.6%), 1‘062 Kurzaufenthalter (-0.9%) und 2‘142 übrige Ausländer (-5.7%). Insgesamt entspricht dies im Vergleich zum Vorjahr (5‘036) einer deutlichen Abnahme der Beschäftigtenzahl um -6.0% und gegenüber 2011 (5‘708) gar um -17.0%. Vom Rückgang (2012/2013) betroffen sind insbesondere Schweizer und niedergelassene oder daueraufenthaltsberechtigte Ausländer. Damit fällt die Zahl der Beschäftigten per Ende Juni erstmals seit 2007 wieder unter die Marke von 5‘000. Die Daten lassen den Schluss zu, dass die Unternehmungen, insbesondere in den Regionen die vom Volksentscheid über den Zweitwohnungsbau prominent betroffen sind, mit einer Anpassung der personellen Ressourcen bei den Ganzjahresbeschäftigten auf den sich abzeichnenden Rückgang der Baunachfrage in dieser Sparte reagiert haben.
Auftragseingang
Im Jahr 2013 erreichten die Auftragseingänge auf Grund eines deutlichen Rückgangs beim Tiefbau das Vorjahresniveau nicht mehr ganz. Dank einer erfreulichen Auftragsentwicklung im gewerblich-industriellen Hochbau und im Wohnungsbau konnte dieser Rückgang allerdings weitgehend abgefedert werden. Insgesamt nahmen die Auftragseingänge 2013 gegenüber dem Vorjahr um -1.9% leicht ab und erreichten mit 922.4 Millionen Franken einen mittleren Wert innerhalb der achtjährigen Vergleichsperiode.

Das Gesamtvolumen an eingegangenen Aufträgen für das Jahr 2013 beträgt 922.4 Mio. Franken. Es liegt damit um -1.9% knapp unter dem vergleichbaren Vorjahreswert von 939.8 Mio. Dabei nahmen die Auftragseingänge im Tiefbau gegenüber dem Vorjahr wie vorgehend dargelegt um -20.4% ab. Dazu beigetragen dürfte insbesondere die Verzögerung bei der Auftragsvergabe der Umfahrung Silvaplana, welche vor Gericht blockiert ist und deshalb nicht in den Auftragseingängen der Berichtsperiode erscheint. Die Nachfrage im gewerblich-industriellen Hochbau ist sehr volatil. Sie stieg im vergangenen Jahr um +27.9% auf 173.4 Mio. Franken. Im Wohnungsbau darf ebenfalls eine Zunahme der Auftragseingänge um +14.4% auf 357.7 Mio. Franken konstatiert werden. Die deutliche Zunahme im Wohnungsbau bringt die gute Nachfrage nach Wohnraum im Bündner Rheintal und den Realisierungsschub der noch vor der Abstimmung vom 11. März 2012 bewilligten Zweitwohnungen zum Ausdruck.

Bauvolumen / Umsätze
Per Ende Jahr resultierte für 2013 ein Bauvolumen von 920.5 Mio. Franken. Es liegt damit um +1.9% über dem Wert des Vorjahres von 903.2 Mio. Franken. Die Grenze von einer Milliarde Franken, welche im 2011 übertroffen wurde, konnte damit erneut nicht mehr erreicht werden. Die Veränderung gegenüber dem Vorjahr ist insbesondere auf eine Zunahme im übrigen Hochbau zurückzuführen. Der Wohnungsbau blieb stabil und der Tiefbau ging als Folge der zunehmend auslaufenden Grossprojekte zurück.

Das im Jahre 2013 insgesamt realisierte Bauvolumen belief sich auf 920.5 Mio. Franken. Es lag damit um +1.9% leicht über dem Vorjahreswert. Innerhalb der Sparten zeigte sich, dass im Wohnungsbau mit 334.3 Mio. Franken (+0.2%) gleichviel verbaut wurde wie im Vorjahr. Im übrigen Hochbau stieg die Produktion deutlich um +36.7% auf 175.4 Mio. Im Tiefbau muss eine Abnahme des Volumens konstatiert werden. Dieses belief sich auf CHF 410.9 Mio. und lag damit um -6.8% unter dem Vorjahreswert. Im Tiefbau schlagen die auslaufenden Bauarbeiten bei Grossprojekten wie der Umfahrung Küblis und der Umfahrung Roveredo oder die noch nicht begonnenen Hauptarbeiten an der Umfahrung Silvaplana auf die Statistik des realisierten Bauvolumens durch. Die Entwicklung der Auftragseingänge und der Arbeitsvorräte im Tiefbau plausibilisieren diese Darstellung. Trotzdem bleibt der Tiefbau und damit der Infrastrukturbau eine ausserordentlich wichtige Nachfragstütze für die Bündner Bauwirtschaft. Die Infrastrukturinvestitionen sind für den grossflächigen und topografisch stark gekammerten Kanton Graubünden ausserordentlich wichtig. Der Kontinuität in der Investitionspolitik der öffentlichen Hand, namentlich des Kantons, kommt eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung zu.
Arbeitsvorrat
Die Arbeitsvorräte per 1. Januar 2014 weisen dank dem Wohnungsbau gegenüber dem Vorjahr mit insgesamt +2.1% einen leicht höheren Bestand aus. Sie stiegen im Wohnungsbau markant um 24.6%, während sie im gewerblich-industriellen Hochbau relativ stabil blieben und im Tiefbau, nicht zuletzt wegen der rückläufigen Auftragseingänge und der guten Produktionsbedingungen bis kurz vor Weihnachten, zurückgingen.

Die Arbeitsvorräte betrugen per 1. Januar 2014 rund 252.4 Mio. Franken. Sie liegen damit um +2.1% über dem Vorjahreswert von 247.2 Mio. Innerhalb der Sparten ergeben sich allerdings beträchtliche Unterschiede. Während sich der Arbeitsvorrat im Tiefbau um -6.3% verminderte, stieg er im Wohnungsbau mit +24.6% markant an. Allerdings ist zu vermerken, dass die Arbeitsvorräte in dieser Sparte im langjährigen Vergleich sehr tief waren. Im übrigen Hochbau ergab sich mit einer Abnahme von -1.0% eine geringe Veränderung. Die spartenbezogene Entwicklung der Arbeitsvorräte und plausibilisiert damit den unterschiedlichen Verlauf der Auftragseingänge und des Bauvolumens in den einzelnen Sparten.
Bauzeitversicherungen
Auf Grund einer Gesetzesänderung erfolgt die Deckungszusicherung der Gebäudeversicherung Graubünden (GVG) ab dem Jahr 2011 auf Grund der Baubewilligung. Bisher war für die Zusicherung eine Meldung der Bauherrschaft zu Beginn der Baurealisierung notwendig. Die neue Datenbasis beinhaltet damit die Unsicherheit von Verzögerungen des Baubeginns oder des gänzlichen Verzichtes der Realisierung.

Per 31. Dezember 2013 betrug das, auf der Basis der erteilten Baubewilligungen für das Jahr 2013 zugesicherte, bauzeitversicherte Volumen 2‘188.7 Millionen Franken. Der Vergleich mit dem Vorjahreswert von 2‘578.7 Millionen Franken zeigt eine deutliche Abnahme um -15.1%. Dieser Umstand ist damit erklärbar, dass namentlich im Bereich des Zweitwohnungsbaus im 2012 noch Versicherungszusagen, auf Grund zahlreicher noch bewilligter Projekte erfolgten, während diese Bewilligungen 2013 nicht mehr möglich waren.
Datenquelle:
Die Auswertung der Daten basiert auf den Quartalserhebungen des Schweizerischen Baumeisterverbandes. Die Rubrik “Bauvolumen/Umsätze“ wurde bis 2012 aus den Arbeitsvorräten und den Auftragseingängen berechnet. Neu wird diese Rubrik direkt erhoben. Geringfügige Abweichungen bei Vergleichen mit den Vorjahren können deshalb in diesem Wechsel begründet sein.

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