Bauwirtschaft 2014, “Ruhe vor dem Sturm“

von
Andreas Felix
Architekt FH
Geschäftsführer
Graubündnerischer Baumeisterverband
Das “Baujahr 2014“ darf aus Sicht der Bündner Bauwirtschaft als gutes Jahr bezeichnet werden. Die ansprechende Nachfrage ist primär im Tiefbau begründet. Im Hochbau haben sich die Anzeichen der rückläufigen Nachfrage im Zweitwohnungsbereich verdichtet. Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe lag per 30. Juni 2014 leicht über dem Vorjahreswert. Auch die Auftragseingänge, das Bauvolumen und die Arbeitsvorräte bewegten sich, hauptsächlich durch den Tiefbau begründet, leicht über den Vorjahreswerten. Die massive Abnahme des bauzeitversicherten Volumens auf der Basis der erteilten Baubewilligungen zeigt den bevorstehenden Rückgang im Hochbau deutlich auf. Die Investitionen der öffentlichen Hand im Bereich des Unterhaltes und des Ausbaus der Infrastrukturen gewinnen für die Bauwirtschaft im Kanton Graubünden in diesem Umfeld noch mehr an Bedeutung.
Beschäftigte

Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe nahm per 30. Juni 2014 gegenüber dem Vorjahr um +4.3% zu. Die Zunahme ist insbesondere bei den Schweizern und den daueraufenthaltsberechtigten Ausländern zu verzeichnen. Die Anzahl der Kurzaufenthalter ist rückläufig.

Im Bauhauptgewerbe des Kantons Graubünden waren per Ende Juni 2014 insgesamt 4‘942 Personen beschäftigt, nämlich 1‘604 Schweizer (+4.8%), 1‘013 Kurzaufenthalter
(-4.6%) und 2‘325 übrige Ausländer (+8.5%). Insgesamt entspricht dies im Vergleich zum Vorjahr (4‘735) einer Zunahme der Beschäftigtenzahl um +4.3%. Die Entwicklung der Beschäftigenzahlen korrespondiert mit der Entwicklung der Auftragseingänge und des Bauvolumens.
Auftragseingang

Im Jahr 2014 übertrafen die Auftragseingänge auf Grund einer deutlichen Zunahme beim Tiefbau das Vorjahresniveau. Die deutliche Zunahme im Tiefbau dürfte mitunter in der Auftragsvergabe des Tunnels der Umfahrung Silvaplana begründet sein. Die Auftragsentwicklung im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau war rückläufig. Insgesamt nahmen die Auftragseingänge 2014 gegenüber dem Vorjahr um +7.0% zu und erreichten mit 986.8 Millionen Franken den zweithöchsten Wert innerhalb der achtjährigen Vergleichsperiode.

Das Gesamtvolumen an eingegangenen Aufträgen für das Jahr 2014 beträgt 986.8 Mio. Franken. Es liegt damit um +7.0% über dem vergleichbaren Vorjahreswert von 922.4 Mio. Franken. Dabei nahmen die Auftragseingänge im Tiefbau gegenüber dem Vorjahr, wie vorgehend dargelegt, um +30.9% stark zu. Die Auftragsvergabe des Tunnels der Umfahrung Silvaplana mit allein rund 35 Mio. Franken, dürfte mit ein Grund dafür sein. Ebenfalls dazu beigetragen hat das nachhaltig hohe Investitionsvolumen des Kantons und der Rhätischen Bahn in den Unterhalt und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.
Im Wohnungsbau ist mit – 1.5% gegenüber dem Vorjahr eine Abnahme der Auftragseingänge zu verzeichnen. Die Umschreibung “Ruhe vor dem Sturm“ ist wahrscheinlich zutreffend. Die nachfolgend dargestellten Zahlen der Bauzeitversicherung zeigen auf, dass die Nachfrage im Wohnungsbau im Jahr 2015 deutlich einbrechen wird. Die Nachfrage im übrigen Hochbau ist sehr volatil. Sie sank im vergangenen Jahr um -29.5% auf 122.2 Mio. Franken nachdem sie im Vorjahr gegenüber 2012 noch um +27.9% zugenommen hatte.

Bauvolumen / Umsätze

Per Ende Jahr resultierte für 2014 ein Bauvolumen von 957.7 Mio. Franken. Es liegt damit um +4.0% über dem Wert des Vorjahres von 920.5 Mio. Franken. Die Grenze von einer Milliarde Franken, welche im 2011 übertroffen wurde, konnte damit erneut nicht mehr erreicht werden. Die Veränderung gegenüber dem Vorjahr ist insbesondere auf eine Zunahme Tiefbau zurückzuführen. Im Wohnungsbau legte die Bautätigkeit um +2.2% leicht zu, während sie beim übrigen Hochbau deutlich um -35.9% zurückging.

Das im Jahre 2014 insgesamt realisierte Bauvolumen belief sich auf 957.5 Mio. Franken. Es lag damit um +4.0% über dem Vorjahreswert. Innerhalb der Sparten zeigte sich, dass im Wohnungsbau mit 341.5 Mio. Franken (+2.2%) leicht mehr verbaut wurde als im Vorjahr. Im übrigen Hochbau sank die Produktion deutlich um -35.9% auf 112.4 Mio. Franken, nachdem sie im Vorjahr gegenüber 2012 noch um +36.7% ebenso deutlich auf  175.4 Mio. Franken angestiegen war. Ausschlaggebend für diese Dynamik sind einzelne Grossprojekte wie der Symond Park in Davos, der die aktuelle Volatilität begründen dürfte.
Im Tiefbau darf eine positive Entwicklung des Volumens konstatiert werden. Dieses belief sich auf CHF 503.7 Mio. und lag damit um +22.6% über dem Vorjahreswert. Im Tiefbau schlagen sich die hohen, bedürfnisgestützten Investitionen des Kantons und der Rhätischen Bahn in den Unterhalt und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur nieder. Der Tiefbau und damit der Infrastrukturbau bilden eine ausserordentlich wichtige Nachfragestütze für die Bündner Bauwirtschaft. Der Kontinuität in der Investitionspolitik der öffentlichen Hand, namentlich des Kantons, kommt eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung zu.
Arbeitsvorrat

Die Arbeitsvorräte per 31. Dezember 2014 weisen mit +19.8% gegenüber dem Vorjahr einen insgesamt deutlich höheren Bestand aus. Sie stiegen im Wohnungsbau markant um +38.8% und übrigen Hochbau ebenso deutlich um +34.8%. Im Tiefbau, nahmen sie wegen der erfreulichen Auftragseingänge um +5.1%  zu. Es gilt allerdings zu vermerken, dass die Arbeitsvorräte in den Vorjahren im langjährigen Vergleich tief waren.

Die Arbeitsvorräte betrugen per 31. Dezember 2014 rund 302.2 Mio. Franken. Sie liegen damit um +19.8% über dem Vorjahreswert von 252.4 Mio. Innerhalb der Sparten ergeben sich allerdings beträchtliche Unterschiede. Während sich der Arbeitsvorrat im Tiefbau um +5.1% erhöhte, stieg er im Wohnungsbau mit +38.8% auf 104.0 Mio. Franken ebenso markant an wie im übrigen Hochbau mit +34.8% auf 53.1 Mio. Die deutlichen, prozentualen Veränderungen sind allerdings zu relativieren. Der Basisbetrag auf den sich die Veränderungen beziehen, ist mit rund 200-300 Mio. Franken per Ende Dezember relativ gering. Der Betrag entspricht rund 20-30% der Jahresproduktion und ist primär in mehrjährigen, grösseren Projekten gebunden.
Bauzeitversicherungen
Auf Grund einer Gesetzesänderung erfolgt die Deckungszusicherung der Gebäudeversicherung Graubünden (GVG) ab dem Jahr 2011 auf Grund der Baubewilligung. Davor war für die Zusicherung eine Meldung der Bauherrschaft zu Beginn der Baurealisierung notwendig. Die neue Datenbasis beinhaltet damit die Unsicherheit von Verzögerungen des Baubeginns oder des gänzlichen Verzichtes der Realisierung.

Per 31. Dezember 2014 betrug das, auf der Basis der erteilten Baubewilligungen für das Jahr 2014 zugesicherte, bauzeitversicherte Volumen 1‘506 Millionen Franken. Der Vergleich mit dem Vorjahreswert von 2‘188 Millionen Franken zeigt eine deutliche Abnahme um -31.2%. Gegenüber dem Jahr 2012 mit 2‘578 Millionen Franken beläuft sich der Rückgang gar auf -41.6%. Auf Grund dieser Veränderungen ist absehbar, dass im Jahre 2015 die Auftragseingänge im Hochbau drastisch zurückgehen werden.
Datenquelle:

Die Auswertung der Daten basiert auf den Quartalserhebungen des Schweizerischen Baumeisterverbandes.
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