Bündner Bauwirtschaft – Auftragseingänge mit herbem Rückgang im Hochbau!

Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe in Graubünden gingen im ersten Semester 2015 gegenüber dem Vorjahr um -6.9% zurück. Insbesondere im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau sind zum zweiten Mal nach 2014 gegenüber dem Vorjahr drastische Rückgänge zu verzeichnen. Bei der Bautätigkeit stellte sich lediglich Dank dem Tiefbau gegenüber dem Vorjahr eine stabile Nachfrage ein (+0.2%). Die Zahl der Beschäftigten trug diesem Umstand Rechnung und präsentierte sich per Stichtag vom 30. Juni 2015 gegenüber dem Vorjahr unverändert. Die Vorläuferindikatoren “Auftragseingang“ und “Arbeitsvorrat“ eröffnen den Unternehmungen im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau schwierige Perspektiven für das zweite Semester.

Beschäftigte

Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe nahm per 30. Juni 2015 gegenüber dem Vorjahr um -0.1% ab. Während bei den Schweizern eine Zunahme zu beobachten ist, blieb die Zahl der Kurzaufenthalter stabil und jene der daueraufenthaltsberechtigten Ausländern nahm ab.

Im Bauhauptgewerbe des Kantons Graubünden waren per Ende Juni 2015 insgesamt 4‘937 Personen beschäftigt, nämlich 1‘699 Schweizer (+5.9%), 1‘018 Kurzaufenthalter (+0.5%) und 2‘220 übrige Ausländer (-4.5%). Insgesamt entspricht dies im Vergleich zum Vorjahr (4‘942) einer marginalen Abnahme der Beschäftigtenzahl um -0.1%.

Auftragseingang

Die Auftragseingänge im ersten Semester 2015 gingen mit -6.9% gegenüber dem Vorjahr erneut deutlich zurück. Insbesondere im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau sind eigentliche Einbrüche zu verzeichnen. Die Auswirkungen der Beschränkungen im Zweitwohnungsbau sind definitiv in der Statistik angekommen.

Das Gesamtvolumen an eingegangenen Aufträgen im ersten Semester 2015 beträgt 482.1 Mio. Franken. Es liegt damit um -6.9 % deutlich unter vergleichbaren Vorjahreswert. Im langjährigen Vergleich resultiert damit der tiefste Wert seit 2008. Der Wohnungsbau verzeichnet einen Einbruch von -25.1% und der übrige Hochbau einen solchen von -13.4%. Im Wohnungsbau sind unschwer die Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative ablesbar und im übrigen, gewerblich-industriellen Hochbau dürfte nach wie vor Verunsicherung über die künftige wirtschaftliche Entwicklung die Investitionsbereitschaft hemmen. Erfreulich entwickelte sich einzig der Tiefbau mit einer Zunahme von +3.7% gegenüber dem Vorjahr. Der Tiefbau bringt damit seine hohe Bedeutung für die Bauwirtschaft im Kanton Graubünden, insbesondere bei der öffentlichen Baunachfrage im Infrastrukturbereich, zum Ausdruck.

Bautätigkeit

Die rückläufigen Auftragseingänge im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau hatten in diesen Sparten auch auf die Bautätigkeit im ersten Halbjahr ihre Auswirkungen. Dank dem Tiefbau resultiert im ersten Semester gegenüber dem Vorjahr insgesamt eine stabile Bautätigkeit.

Das im ersten Semester 2015 realisierte Bauvolumen belief sich auf rund 355.1 Mio. Franken. Es liegt damit nominell gleichauf mit dem Vorjahreswert von 354.5 Mio. Franken. Dieser Umstand ist allein im Tiefbau begründet der ein Volumen von 179.1 Mio. Franken ausweist (+11.4%). Dies dürfte unter anderem auf das Grossprojekt der Umfahrung Silvaplana und die Bauarbeiten am Albulatunnel zurückzuführen sein. Im Wohnungsbau mit 133.5 Mio. (-4.5%) und im übrigen Hochbau mit 42.5 Mio. (-21.3%) schlugen die rückläufigen Auftragseingänge bereits im ersten Halbjahr deutlich negativ auf die Bautätigkeit durch. Der Effekt dürfte sich im zweiten Semester 2015 fortsetzen.

Arbeitsvorrat

Der Arbeitsvorrat per 30. Juni 2015 blieb dank den Zugängen beim Tiefbau stabil. In einer Spartenbetrachtung präsentieren sich die Arbeitsvorräte im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau insgesamt auf den tiefsten Stand seit 2008.

Die Arbeitsvorräte betrugen per 30. Juni 2015 rund 451.2 Mio. Franken. Dies entspricht einer geringfügigen Zunahme von +0.9 % gegenüber dem Vorjahreswert. Dieser Umstand ist vor allem im Tiefbau begründet (+11.6%) und dort wiederum in den Projekten der Umfahrung Silvaplana und des Albulatunnels. Im Wohnungsbau (-29.2%) ist ein massiver Rückgang zu verzeichnen der auch durch eine Zunahme von (+30.2%) im, volumenmässig wesentlich geringeren, übrigen Hochbau nicht kompensiert wurde.

Bauzeitversicherungen

Graubünden kennt wie die Mehrzahl der übrigen Kantone in der Schweiz die obligatorische Gebäude-Versicherungspflicht. Die Gebäudeversicherung Graubünden (GVG) sichert den Bauvorhaben im Hochbau, auf der Basis des Kostenvoranschlages für die Baubewilligung, den Versicherungsschutz für die Dauer der Bauzeit zu. Dieses bauzeitversicherte Volumen wird von der GVG statistisch erfasst und bildet für den Hochbau einen Vorläuferindikator, der aufzeigt wie sich die Auftragseingänge in der nachfolgenden Zeitperiode entwickeln werden.

Per 30. Juni 2015 betrug das, auf der Basis der erteilten Baubewilligungen zugesicherte, bauzeitversicherte Volumen für das erste Semester 738.6 Millionen Franken. Ein Vergleich mit dem Vorjahreswert von 988.5 Millionen Franken weist erneut einen eigentlichen Einbruch von -25.2% aus, nachdem bereits von 2013 auf 2014 ein Einbruch von -33.3% verzeichnet werden musste. Das baubewilligte Volumen im jeweils ersten Semester halbierte sich damit innerhalb von nur zwei Jahren und bestätigt die stark rückläufigen Auftragseingänge, namentlich im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau.

Medienauskünfte:

Graubündnerischer Baumeisterverband
Andreas Felix
Geschäftsführer
Comercialstrasse 20
7002 Chur

Tel: 081 257 08 08
Mobile: 079 445 50 71

Text als PDF-Datei downloaden:
Bündner Bauwirtschaft