Bündner Bauwirtschaft – Ambivalente Wahrnehmung einer konsolidierten Nachfrage!

Medienmitteilung

Bündner Bauwirtschaft – Ambivalente Wahrnehmung einer konsolidierten Nachfrage!

Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe in Graubünden haben im ersten Semester 2016 gegenüber dem Vorjahr um +15.7% zugenommen. Die Zunahme ist in allen Sparten begründet. Die Auftragseingänge im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau liegen allerdings noch immer deutlich unter den Werten, wie sie bis 2013 verzeichnet wurden. Die Bautätigkeit liegt gegenüber dem Vorjahr mit +4.8% im Plus. Die Zahl der Beschäftigten trug der konsolidierten Nachfrage Rechnung und präsentierte sich per Stichtag vom 30. Juni 2016 gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert. Die Vorläuferindikatoren “Auftragseingang“ und “Arbeitsvorrat“ eröffnen den Unternehmungen grundsätzlich intakte Perspektiven für eine befriedigende Auslastung im zweiten Semester. Die Bedeutung des Tiefbaus und damit die Abhängigkeit von der öffentlichen Baunachfrage nimmt weiter zu und ist mit einer gewissen Ambivalenz zu beurteilen. Das Vordringen in neue Marktgebiete und Verlagerungen in der Spartenausrichtung seitens der Anbieter führte, trotz einer konsolidierten Nachfrage, zu einem insgesamt höheren Wettbewerbsdruck.

 

Beschäftigte

Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe blieb per 30. Juni 2016 mit einer Abnahme um lediglich -0.4% gegenüber dem Vorjahr praktisch stabil. Einer Abnahme bei den Kurzaufenthaltern steht eine Zunahme bei den daueraufenthaltsberechtigten Ausländern gegenüber.

Im Bauhauptgewerbe des Kantons Graubünden waren per Ende Juni 2016 insgesamt 4‘919 Personen beschäftigt, nämlich 1‘666 Schweizer (-1.9%), 918 Kurzaufenthalter
(-9.8%) und 2‘335 übrige Ausländer (+5.1%). Insgesamt entspricht dies im Vergleich zum Vorjahr (4‘937) einer geringfügigen Abnahme der Beschäftigtenzahl um -0.4%.

 

Auftragseingang

Die Auftragseingänge im ersten Semester 2016 nahmen mit +15.7% gegenüber dem Vorjahr erstmals wieder erheblich zu, nachdem sie zuvor während zwei Jahren markant zurückgegangen waren. Insbesondere im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau vermögen die Zunahmen gegenüber dem Vorjahr die Rückgänge der Jahre 2013 und 2014 bei weitem nicht zu kompensieren.

Das Gesamtvolumen an eingegangenen Aufträgen im ersten Semester 2016 beträgt 557.8 Mio. Franken. Es liegt mit +15.7% deutlich über dem vergleichbaren Vorjahreswert. Im langjährigen Vergleich resultiert damit ein mittlerer Wert. Der Wohnungsbau steuerte eine Zunahme von +23.1%, der übrige Hochbau eine solche von +21.5% und der volumenstarke Tiefbau eine Zunahme von +11.4% zu diesem Ergebnis bei. Im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau bewegen sich die absoluten Zahlen der Auftragseingänge, trotz der erwähnten beachtlichen %-Zunahmen, im langjährigen Vergleich noch immer auf dem zweittiefsten Niveau. Zu schwer wiegen die Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative, insbesondere in den Tourismusregionen unseres Kantons. Nach wie vor stetig und ungebrochen bedeutsam ist die Nachfrage im Tiefbau. Der Tiefbau bringt damit seine hohe Bedeutung für die Bauwirtschaft im Kanton Graubünden, insbesondere bei der öffentlichen Baunachfrage im Infrastrukturbereich, zum Ausdruck. In einer langfristigen Betrachtung wäre es wünschenswert, dass der Hochbau, welcher seine primär private Nachfrage aus der realen volkswirtschaftlichen Entwicklung generiert, wieder etwas an Bedeutung zulegt.

 

Bautätigkeit

Die steigenden Auftragseingänge wirkten sich naturgemäss positiv auf die Bautätigkeit aus. Diese nahm im ersten Semester in allen Sparten leicht zu und erreichte ein gutes Niveau.

Das im ersten Semester 2016 realisierte Bauvolumen belief sich auf rund 372.3 Mio. Franken. Es liegt damit nominell um 17.2 Mio. Franken über dem Vorjahreswert von 355.1 Mio. Franken. Dazu beigetragen haben der Wohnungsbau mit 138.5 Mio. Franken (+3.7%), der übrige Hochbau mit 51.4 Mio. (+20.9%) und der Tiefbau mit 182.4 Mio. Franken (+1.8%). Die prozentual starke Zunahme im übrigen Hochbau dürfte unter anderem im Grossprojekt des Neubaus Kantonsspital Chur begründet sein, welches sich zur Zeit in einer intensiven Phase des Rohbaus befindet.

 

Arbeitsvorrat

Der Arbeitsvorrat per 30. Juni 2016 erhöhte sich dank der Zunahme bei den Auftragseingängen. Analog den Auftragseingängen nahmen auch die Arbeitsvorräte gegenüber dem Vorjahreswert in allen drei Sparten zu.

Die Arbeitsvorräte betrugen per 30. Juni 2016 rund 537.8 Mio. Franken. Dies entspricht einer deutlichen Zunahme von +19.2% gegenüber dem Vorjahreswert. Dieser Umstand ist vor allem im Tiefbau begründet (+22.9%) und dort insbesondere im Grossprojekt des RhB-Albulatunnels sowie in geringerem Ausmass in der Umfahrung Silvaplana. Aber auch im Wohnungsbau (+11.3%) und im übrigen Hochbau (+11.0%) sind, allerdings auf numerisch deutlich tieferem Niveau, Zunahmen zu verzeichnen. Der Arbeitsvorrat des Neubaus Kantonsspital Chur dürfte auf Grund seines Volumens die Statistik im übrigen Hochbau prägen.

 

Bauzeitversicherungen

Graubünden kennt, wie die Mehrzahl der übrigen Kantone in der Schweiz, die obligatorische Gebäudeversicherungspflicht. Die Gebäudeversicherung Graubünden (GVG) sichert den Bauvorhaben im Hochbau, auf der Basis des Kostenvoranschlages für die Baubewilligung, den Versicherungsschutz für die Dauer der Bauzeit zu. Dieses bauzeitversicherte Volumen wird von der GVG statistisch erfasst und bildet für den Hochbau einen Vorläuferindikator, der aufzeigt, wie sich die Auftragseingänge in der nachfolgenden Zeitperiode entwickeln werden.

Per 30. Juni 2016 betrug das auf der Basis der erteilten Baubewilligungen zugesicherte bauzeitversicherte Volumen für das erste Semester 907.1 Millionen Franken. Ein Vergleich mit dem Vorjahreswert von 738.7 Millionen Franken weist eine deutliche Zunahme von +22.8% aus. Die Entwicklung des neu bauzeitversicherten Volumens plausibilisiert damit die Zunahme der Auftragseingänge in den Sparten Wohnungsbau und übriger Hochbau, welche im Portfolio der Bauzeitversicherung erfasst sind.
Die Zunahme im ersten Semester 2016 vermochte die Rückgänge aus den beiden Vorjahren von -33.3% (2013/14) und -25.2% (2014/2015) allerdings längst nicht zu kompensieren. Das baubewilligte Volumen im ersten Semester 2016 liegt immer noch um -38.7% unter dem Höchstwert im Jahre 2013.

 

 

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