Bauwirtschaft 2015: “Schmerzhafter Rückgang im Hochbau“

Bauwirtschaft 2015 :

“Schmerzhafter Rückgang im Hochbau“

 

von
Andreas Felix
Architekt FH
Geschäftsführer
Graubündnerischer Baumeisterverband

 

Im “Baujahr 2015“ ist der vorausgesagte Rückgang der Baunachfrage im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau Tatsache geworden und mittlerweile in der Statistik angekommen. Durch den Rückgang im Hochbau gewinnt der Tiefbau und damit die Investitionen der öffentlichen Hand im Bereich des Unterhaltes und des Ausbaus der Infrastrukturen für die Bauwirtschaft im Kanton Graubünden noch stärker an Gewicht. Dass sich vor allem der Kanton der volkswirtschaftlichen Bedeutung einer stetigen Investitionstätigkeit bewusst ist, zeigt die im Finanzplan des Kantons über die nächsten Jahre hinterlegte Kontinuität. In der aktuellen Phase, in welcher die Auswirkungen des wegfallenden Zweitwohnungsbaus von der Bauwirtschaft adaptiert werden müssen, ist diese Politik wichtig und richtig. Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe lag per 30. Juni 2015 praktisch auf dem Vorjahreswert, um dann per Ende September um -3.0% abzusinken. Auch die Auftragseingänge und das Bauvolumen verzeichnen rückläufige Zahlen. Die positive Entwicklung im Tiefbau vermochte die starken Rückgänge im Hochbau zwar etwas zu dämpfen, keinesfalls aber zu kompensieren. Die erneute Abnahme des bauzeitversicherten Volumens auf der Basis der erteilten Baubewilligungen weist für das Jahr 2016 auf einen weiteren, etwas abgeschwächten Rückgang im Hochbau hin.

Beschäftigte
Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe nahm per 30. Juni 2015 gegenüber dem Vorjahr um -0.1% ab. Während bei den Schweizern eine Zunahme zu beobachten ist, blieb die Zahl der Kurzaufenthalter stabil und jene der übrigen Ausländer nahm ab.

Im Bauhauptgewerbe des Kantons Graubünden waren per Ende Juni 2015 insgesamt 4‘937 Personen beschäftigt, nämlich 1‘699 Schweizer (+5.9%), 1‘018 Kurzaufenthalter (+0.5%) und 2‘220 übrige Ausländer (-4.5%). Insgesamt entspricht dies im Vergleich zum Vorjahr mit 4‘942 einer marginalen Abnahme der Beschäftigtenzahl um -0.1%.

Auftragseingang
Im Jahr 2015 verzeichneten die Auftragseingänge auf Grund eines Einbruchs im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau eine deutliche Abnahme um insgesamt -6.8%. Der Tiefbau wirkte mit einer marginalen Zunahme von +0.3% auf sein hohes Volumen von über 500 Millionen Franken leicht dämpfend. Die Nachfrage im Tiefbau weist auf die hohe Bedeutung des Infrastrukturbaus und der Unterhaltsinvestitionen – insbesondere der öffentlichen Hand und der Rhätischen Bahn – für die Bündner Bauwirtschaft hin. Insgesamt nahmen die Auftragseingänge 2015 gegenüber dem Vorjahr um -66,7 Millionen Franken ab und fielen mit 920.1 Millionen Franken auf den zweittiefsten Wert innerhalb der achtjährigen Vergleichsperiode.

Das Gesamtvolumen an eingegangenen Aufträgen für das Jahr 2015 beträgt 920.1 Mio. Franken. Es liegt damit um -6.8% unter dem vergleichbaren Vorjahreswert von 986.8 Mio. Franken. Dabei nahmen die Auftragseingänge im Tiefbau gegenüber dem Vorjahr, wie vorgehend dargelegt, marginal um +0.3% zu. Die nachhaltig hohe Investitionstätigkeit von Bund, Kanton und Rhätischer Bahn in den Unterhalt und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist der Hauptgrund dafür.

Im Wohnungsbau ist mit –18.9% gegenüber dem Vorjahr ein eigentlicher Einbruch der Auftragseingänge zu verzeichnen. Die letztjährige Umschreibung “Ruhe vor dem Sturm“ hat sich leider bewahrheitet. Die Nachfrage im übrigen Hochbau sank im vergangenen Jahr um -1.5% auf 120.4 Mio. Franken. Die nachfolgend dargestellten Zahlen der Bauzeitversicherung zeigen auf, dass die Nachfrage im Hochbau auch im Jahre 2016 nochmals zurückgehen dürfte.

Bauvolumen / Umsätze
Per Ende Jahr resultierte für 2015 ein Bauvolumen von 936.3 Mio. Franken. Es liegt damit um -2.2% unter dem Wert des Vorjahres von 957.7 Mio. Franken. Die Grenze von einer Milliarde Franken, welche im 2011 übertroffen wurde, rückt zunehmend in kaum mehr erreichbare Ferne. Die Veränderung gegenüber dem Vorjahr ist insbesondere auf deutliche Abnahme im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau zurückzuführen. Im Tiefbau legte die Bauproduktion mit +1.6% leicht zu.

Das im Jahre 2015 insgesamt realisierte Bauvolumen belief sich auf 936.3 Mio. Franken. Es lag damit um -2.2% unter dem Vorjahreswert. Innerhalb der Sparten zeigte sich, dass im Wohnungsbau mit 314.0 Mio. Franken (-8.1%) deutlich weniger verbaut wurde als im Vorjahr. Im übrigen Hochbau sank die Produktion erneut leicht um -1.5% auf 110.4 Mio. Franken, nachdem sie bereits im Vorjahr gegenüber 2013 um -35.9% eingebrochen war. Die Dynamik im übrigen Hochbau ist allerdings stark in Grossprojekten begründet, die während ihrer Ausführung die Statistik beeinflussen, wie beispielsweise der Symond Park in Davos, welcher 2013 in der Statistik figurierte.

Im Tiefbau darf eine kontinuierliche Entwicklung des Volumens konstatiert werden. Dieses belief sich auf CHF 511.6 Mio. und lag damit leicht um +1.6% über dem Vorjahreswert. Im Tiefbau schlagen sich die hohen, bedürfnisgestützten Investitionen des Kantons und der Rhätischen Bahn in den Unterhalt und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur nieder. Der Tiefbau und damit der Infrastrukturbau bilden eine ausserordentlich wichtige Nachfragestütze für die Bündner Bauwirtschaft. Die Kontinuität in der Investitionspolitik der öffentlichen Hand, namentlich des Kantons, behält seine ungebrochen hohe volkswirtschaftliche Bedeutung.

Arbeitsvorrat
Die Arbeitsvorräte per 31. Dezember 2015 weisen mit +4.5% gegenüber dem Vorjahr einen trügerisch positiven Bestand aus. Die Zunahme ist ausschliesslich im Tiefbau begründet, wo das Grossprojekt der Umfahrung Silvaplana in der Statistik figuriert. Im Wohnungsbau sanken die Arbeitsvorräte markant um -13.3% und im übrigen Hochbau ebenfalls um -2.8%.

Die Arbeitsvorräte beliefen sich per 31. Dezember 2015 auf 315.9 Mio. Franken. Sie liegen damit um +4.5% über dem Vorjahreswert von 302.2 Mio. Innerhalb der Sparten ergeben sich allerdings beträchtliche Unterschiede. Während sich der Arbeitsvorrat im Tiefbau dank des Grossprojektes der Umfahrung Silvaplana um +20.1% erhöhte, sank er im Wohnungsbau im Zuge des weggebrochenen Zweitwohnungsbaus um -13.3% auf nur mehr 90.1 Mio. Franken. Ebenfalls leicht rückläufig präsentiert sich der Arbeitsvorrat im übrigen Hochbau mit -2.8% auf 53.1 Mio. Franken.

Bauzeitversicherungen
Aufgrund einer Gesetzesänderung erfolgt die Deckungszusicherung der Gebäudeversicherung Graubünden (GVG) ab dem Jahr 2011 auf Grundlage der Baubewilligungen. Davor war für die Zusicherung eine Meldung der Bauherrschaft zu Beginn der Baurealisierung notwendig. Die neue Datenbasis beinhaltet damit die Unsicherheit von Verzögerungen des Baubeginns oder des gänzlichen Verzichtes der Realisierung.

Per 31. Dezember 2015 betrug das auf der Basis der erteilten Baubewilligungen für das Jahr 2015 zugesicherte bauzeitversicherte Volumen 1‘380 Millionen Franken. Der Vergleich mit dem Vorjahreswert von 1‘506 Millionen Franken zeigt erneut eine Abnahme um
-8.0%. Gegenüber dem Jahr 2013 mit 2‘188 Millionen Franken beläuft sich der Rückgang auf -37.0% und gegenüber 2012 gar auf -46.0%. Aufgrund der Veränderungen gegenüber dem Vorjahr ist absehbar, dass im Jahre 2016 die Auftragseingänge im Hochbau nochmals zurückgehen werden.

Datenquellen:
Die Auswertung der Daten basiert auf den Quartalserhebungen des Schweizerischen Baumeisterverbandes und den Monatserhebungen der Gebäudeversicherung Graubünden.

 

 

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Graubündnerischer Baumeisterverband

Andreas Felix
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