Bündner Bauwirtschaft im ersten Semester 2020

Medienmitteilung

 

Bündner Bauwirtschaft im ersten Semester 2020:

“Deutlicher Einbruch im Hochbau“

  

Chur, 21. September 2020 – Die Auftragseingänge und die Bautätigkeit gingen im ersten Semester 2020 im Zuge der Coronakrise, insbesondere im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau, gegenüber dem Vorjahr deutlich zurück. Der Tiefbau vermochte sich mit moderaten Rückgängen beinahe auf Vorjahresniveau zu behaupten. Der Arbeitsvorrat per Ende Juni 2020 hielt sich, trotz deutlicher Rückgänge im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau (gewerblich-industrieller Hochbau), dank dem Tiefbau auf einem ansprechenden Niveau. Der Rückgang des baubewilligten Volumens der Bauzeitversicherung plausibilisiert die Entwicklung im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau. Die Zahl der Beschäftigten per 30. Juni 2020 ging gegenüber dem Vorjahr leicht zurück und folgt im Trend der Entwicklung der Bautätigkeit. Die grosse volkswirtschaftliche Relevanz der öffentlichen Baunachfrage im Tiefbau kommt vor dem Hintergrund der coronabedingten Rückgänge bei der privaten und gewerblichen Baunachfrage sehr deutlich zum Ausdruck. Die bedürfnisgerechte und stetige Investitionstätigkeit von Bund, Kanton, Gemeinden, RhB und weiteren Infrastrukturinvestoren behält damit vor allem für die Beschäftigung in den dezentralen Regionen unseres Kantons ihre uneingeschränkte Bedeutung.

  

Beschäftigte

Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe betrug per 30. Juni 2020 4’649 Personen.

Im Bauhauptgewerbe des Kantons Graubünden waren per Ende Juni 2020 insgesamt 4’649 Personen (-2.7%) beschäftigt. Davon waren 1’767 Schweizer (-2.7%), 726 Kurzaufenthalter (+12.2%) und 2’156 übrige Ausländer (-3.6%). Die Erhebung der Beschäftigten erfolgt per Stichtag und ist nicht direkt mit der Jahreserhebung der Umsätze vergleichbar. In der Tendenz korrespondieren die Daten und plausibilisieren sich gegenseitig.

 

Auftragseingang

Die Auftragseingänge im ersten Semester 2020 brachen im Zuge von Projektverzögerungen und der allgemeinen Verunsicherung rund um das Corona-Virus, namentlich im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau, deutlich ein. Im Tiefbau war der Rückgang weit weniger drastisch.

Das Gesamtvolumen an eingegangenen Aufträgen im ersten Semester 2020 beträgt 527.5 Mio. Franken. Es liegt mit -20.6% deutlich unter dem vergleichbaren Vorjahreswert.

Wenig überraschend hatte die Coronakrise vor allem Auswirkungen auf die Auftragseingänge im Wohnungsbau und im gewerblich-industriellen Hochbau. Im Wohnungsbau beliefen sich die Auftragseingänge auf 105.1 Mio. Franken (-47.7%) und im übrigen Hochbau auf 82.9 Mio. (-38.9%). Im Tiefbau beliefen sich die Auftragseingänge auf 339.5 Mio. Franken. Der Rückgang im Tiefbau fiel mit – 4.8% deutlich geringer aus.

Die unterschiedlichen Auswirkungen auf die einzelnen Sparten zeigen auf, dass die primär von der öffentlichen Hand nachgefragten Bauleistungen im Tiefbau in Krisenzeiten eine noch grössere volkswirtschaftliche Bedeutung haben als ohnehin schon.

 

Bautätigkeit

Der Rückgang der Auftragseingänge schlägt sich auch in der Bautätigkeit nieder. Diese sank um -14.7% unter die Referenzwerte der vorangegangenen sechs Jahre. Der Rückgang ist im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau begründet.

Das im ersten Semester 2020 realisierte Bauvolumen belief sich auf rund 348.9 Mio. Franken. Es liegt damit nominell um 60.2 Mio. Franken unter dem Vorjahreswert von 409.1 Mio. Franken (-14.7%). Dafür verantwortlich sind der Wohnungsbau mit 89.2 Mio. Franken

(-29.1%) und der übrige Hochbau mit 60.5 Mio. Franken (-26.0%). Im Tiefbau belief sich die Bautätigkeit im ersten Semester auf 199.2 Mio. Franken (-3.7%). Die Aussagen zu den Auftragseingängen gelten damit auch für die Bautätigkeit. Die stetige öffentliche Nachfrage im Tiefbau / Infrastrukturbau hat in der aktuellen Krisensituation eine noch grössere, regional wirksame volkswirtschaftliche Bedeutung als sonst.

 

Arbeitsvorrat

Der Arbeitsvorrat per 30. Juni 2020 ging als Konsequenz der eingebrochenen Auftragseingänge im Wohnungsbau und im übrigen Hochbau ebenfalls zurück. Dank dem Tiefbau vermochte er sich allerdings nach wie vor auf ansprechendem Niveau zu halten.

Die Arbeitsvorräte betrugen per 30. Juni 2020 557.3 Mio. Franken. Dies entspricht einer Abnahme von -21.1% gegenüber dem Vorjahreswert. Das Vorjahr zeichnete allerdings für einen absoluten Rekordwert verantwortlich, sodass die aktuellen Arbeitsvorräte immer noch dem zweithöchsten Stand seit 2013 entsprechen. Auch bei dieser Rubrik ist der Tiefbau

(-6.3%) das stabilisierende Element. Die Vorräte beim Wohnungsbau (-51.6%) und beim übrigen Hochbau (-21.3%) nahmen demgegenüber markant ab.

Der Gesamtbestand an Arbeitsvorräten per 30. Juni 2020 lässt für das zweite Semester die Erwartung zu, dass sich der Rückgang der Bautätigkeit bis Ende Jahr etwas abschwächen  dürfte.

 

Bauzeitversicherungen

Graubünden kennt, wie die Mehrzahl der übrigen Kantone in der Schweiz, die obligatorische Gebäudeversicherungspflicht. Die Gebäudeversicherung Graubünden (GVG) sichert den Bauvorhaben im Hochbau, auf der Basis des Kostenvoranschlages für die Baubewilligung, den Versicherungsschutz für die Dauer der Bauzeit zu. Dieses bauzeitversicherte Volumen wird von der GVG statistisch erfasst und bildet für den Hochbau einen Vorläuferindikator, der aufzeigt, wie sich die Auftragseingänge in der nachfolgenden Zeitperiode entwickeln werden.

Per 30. Juni 2020 betrug das auf der Basis der erteilten Baubewilligungen zugesicherte bauzeitversicherte Volumen für das erste Semester 765.2 Millionen Franken. Ein Vergleich mit dem Vorjahreswert von 854.9 Mio. Franken weist eine Abnahme von -10.5% aus. Die Entwicklung des neu bauzeitversicherten Volumens plausibilisiert damit den Rückgang der Auftragseingänge in den Sparten Wohnungsbau und übriger Hochbau, welche im Portfolio der Bauzeitversicherung erfasst sind.

 

Datenquellen

Die Auswertung der Daten basiert auf den Quartalserhebungen des Schweizerischen Baumeisterverbandes und den Monatserhebungen der Gebäudeversicherung Graubünden.

Statistik Bünder Bauwirtschaft

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Graubündnerischer Baumeisterverband

Der Graubündnerische Baumeisterverband (GBV) ist der führende Branchenverband der Bündner Bauwirtschaft. Er wurde 1906 gegründet und vertritt die überbetrieblichen Interessen seiner rund 120 Mitgliederfirmen in den vier Regionen Nord-, Süd-, Mittelbünden und Surselva. Die Mitglieder des Baumeisterverbands sorgen für ein funktionierendes Strassen- und Schienennetz, Häuser und Hotels, die sich ins Landschaftsbild einfügen, sichere Wasserkraftwerke und Bergbahnen sowie rund 5‘000 Arbeitsplätze im ganzen Kanton. Sie leisten zukunftsweisende Arbeit mit viel Erfahrung, langjährigen Mitarbeitenden und engagierten Lernenden. Der GBV wirkt neben dem Bau vor allem auch in wirtschaftspolitischen oder berufsbildnerischen Bereichen. Er ist ein wichtiger Partner für Behörden und Politik.

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